Uniformen


In unserem Bestand befinden sich zur Zeit über 70 Original-Uniformen, von denen wir einige hier näher vorstellen möchten.

Trotz der Tatsache, dass die Bekleidung "Ordonnanz 1949" noch vergleichsweise jung ist, stellen wir immer wieder fest, dass insbesondere Detailwissen immer mehr verloren geht. Erschwerend kommt hinzu, dass das betreffende Bekleidungsreglement - anders als man erwarten könnte - keinesfalls umfassend Auskunft gibt. Unser Dank gilt daher den Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten der Schweizerischen Armee, die uns mit dem Wissen aus ihrer Dienstzeit helfen! Dadurch konnten wir schon das ein oder andere Problem lösen.

 

Unser Dank gilt ebenfalls dem Team vom Kostümverleih Kaiser in Aesch BL, das uns ebenfalls hilfreich zur Seite steht.

Gelegentlich sind auch Abänderungen und Reparaturen an unseren Uniformen erforderlich. Für solche Arbeiten zählen wir auf das Team vom Nähatelier Nique in Arlesheim BL.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Mannschaften

 

Truppengattung: Traintruppen

Funktion: Trainsoldat

Dienstgrad: Soldat

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: keine

 

Bis zur Einführung der Armeebekleidung nach der Ordonnanz 1949 galt die Ordonnanz 1926/40, zu der auch die abgebildete Uniform zählt. Für die Bekleidung der Mannschaften sind folgende wesentliche Unterschiede zu benennen:

  Ordonnanz 1926/1940 Ordonnanz 1949
Kragen Revers, hochgeschlossen Revers, offen
Knöpfe Metall (6 Stück zum Schliessen des Waffenrocks) Kunststoff (4 Stück zu Schliessen des Waffenrocks)
Ärmelpatten vorhanden, mit Funktionsangabe nicht vorhanden
Kragenpatten rechteckähnlich, ohne Funktionsangabe trapezförmig, mit Funktionsangabe
Feldmütze 2 Kokardenknöpfe, vorn, aus Metall 1 Kokardenknopf, seitlich, aus Kunststoff

Bemerkenswert ist, das es mehrere Jahre dauerte, bis sich die Ordonnanz 1949 vollständig durchgesetzt hatte. Noch bis Ende der 1950er Jahre wurde in den Rekrutenschulen bzw. Zeughäusern Uniformteile und ganze Uniformen der vorhergehenden Ordonnanz 1926/40 abgegeben. Daher sind auch Mischungen beider Ordonnanzen nicht ungewöhnlich.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Mannschaften

 

Truppengattung: Übermittlungstruppen

Funktion: Brieftaubendienst

Dienstgrad: Soldat

Spezialisierung: Motorfahrer

Auszeichnung: Scharfschützenabzeichen

 

Basierend auf den oben genannten Untschieden zwischen der Ordonnanz 1926/40 und der Ordonnanz 1949 ergeben sich Neuerungen für die Uniform der Ordonnanz 1949:

  • Wegfall der bisherigen Ärmelpatten und Ersatz durch zahlreiche neue Kragenpatten zur Unterscheidung von Truppengattungen und Funktionen
  • generelle Einführung des in der Regel offen getragenen Reverskragens
  • Neugestaltung der Feldmütze mit nur noch einem seitlichen Kokardenknopf
  • Wechsel von Metall- zu Kunststoffknöpfen
  • neues Design und starke Erweiterung der Spezialistenabzeichen
  • neues Design der Auszeichnungen

Ausgangsuniform (Tenue A) der Mannschaften

 

Truppengattung: Infanterie

Funktion: Minenwerfer

Dienstgrad: Gefreiter

Spezialisierung: Fouriergehilfe

Auszeichnung: keine

 

Der Gefreite ist der auf den Soldaten folgende Dienstgrad und zählt zu den Mannschaftsdienstgraden. Dieser wird - im Gegensatz zu vielen anderen Armeen - nicht "geschenkt" (z. B. nach einer gewissen Dienstzeit), sondern erfordert die Teilnahme an mindestens drei Wiederholungskursen (WK) sowie ein Fähigkeitszeugnis aus dem letzten WK. Für einige Truppengattungen und die Fouriergehilfen aller Truppengattungen gelten zudem besondere Beförderungsbedingungen.

Gefreite tragen an beiden Oberarmen einen 4 cm langen waagerechten Balken, bestehend aus dunkelgoldfarbenen, 1 cm breiten, gewobenen Tressen mit schwarzer Randleiste.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Unteroffiziere

 

Truppengattung: Motortransporttruppen

Funktion: Reparatur- und Parkformation

Dienstgrad: Korporal

Spezialisierung: Übermittlungsgerätemechaniker (Auszeichnung)

Auszeichnung: keine

 

Typisch für die Uniform eines Unteroffiziers ist die schmale, dunkelgoldfarbene Litze am Kragenrand des Waffenrocks. Als Gradabzeichen werden dunkelgoldfarbene, 1 cm breite, gewobene Tressen mit schwarzer Randleiste, die als Winkel an beiden Oberarmen getragen werden, verwendet. Die Schenkellänge beträgt 3 cm und die Winkel sind nach unten geöffnet. Bis auf den Korporal tragen alle anderen Unteroffiziersdienstgrade zusätzlich einen Schild mit einem gestickten, eidgenössischen Kreuz ("Wachtmeisterkreuz").

Die beiden Unteroffiziersdienstgrade Korporal und Wachtmeister tragen, ebenso wie die Mannschaften, die Feldmütze als Kopfbedeckung. Alle Unteroffiziere tragen ausserdem an der linken Schulter eine schwarze Pfeifenschnur mit einer Trillerpfeife, welche bei Nichtgebrauch in der linken Brusttasche getragen wird.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Unteroffiziere

 

Truppengattung: Luftschutztruppen

Funktion: Luftschutzsoldat

Dienstgrad: Fourier

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: keine

 

Der Fourier zählt zu den höheren Unteroffiziersdienstgraden und ist der Rechnungsführer einer jeden Einheit. Zu seinen Aufgaben gehören u. a.: Aufstellung des Verpflegungsplanes mit Kostenberechnung, Beschaffung, Kontrolle, Lagerung und Verwaltung der Verpflegungsmittel; Leitung und Überwachung der Truppenküche sowie die Truppenbuchhaltung.

Der Fourier ist der fachtechnische Vorgesetzte des Küchenchefs und des Fouriergehilfen.

Die höheren Unteroffiziere (Fourier, Feldweibel, Adjutant Unteroffizier) sowie Berufsunteroffiziere dürfen neben der Feldmütze auch den steifen Hut für Unteroffiziere tragen. Er entspricht in seiner Ausführung dem Hut für Offiziere, jedoch ohne Tressen (siehe nachfolgende Bilder).

Die höheren Unteroffiziere sind ausserdem zum Tragen des Dolches M 43 mit der Unteroffiziersquaste (Dolch links) berechtigt.

Offiziere in Ausgangsuniform tragen den gleichen Dolch, jedoch mit der Offiziersquaste (Dolch rechts). Die Quaste für Offiziere darf sowohl aus Silberfaden (frühe Versionen) als auch aus weisser Schnur gefertigt sein.


Dienstuniform (Tenue B) der Offiziere

 

Truppengattung: Flieger- und Fliegerabwehrtruppen

Funktion: Fliegerbeobachtungs- und Meldedienst

Dienstgrad: Leutnant

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: Beobachterabzeichen

 

Die Dienstuniform der Offiziere gleicht den Ausgangsuniformen der Mannschaften und besteht aus Filz und Segeltuch. Zusätzlich trägt der Offizier die Feldmütze oder den Offiziershut mit den Gradabzeichen. Der Waffenrock wird mit dem Ordonnanz-Feldgurt für Offiziere (und höhere Unteroffiziere) geschlossen. Für Offiziere gelten besondere Regelungen, was das Tragen von Auszeichnungen betrifft. So dürfen sie bis auf das Beobachter-, Hochgebirgs- und Pilotenabzeichen keine Auszeichnungen tragen.

In einer Fliegerbeobachtungs- und Melde-Kompanie ist der Leutnant i. d. R. der Stellvertreter des Kompaniekommandanten.

Der Leutnant ist der unterste der Offiziersdienstgrade. Das Gradabzeichen des Leutnants bildet eine dunkelgoldfarbene, geflochtene Tresse von 3 mm Breite, die an der Feldmütze bzw. am Offiziershut und auf den Achselschlaufen getragen wird.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Offiziere

 

Truppengattung: Verpflegungstruppen

Funktion: Verpflegungssoldat

Dienstgrad: Oberleutnant

Spezialisierung: Quartiermeister

Auszeichnung: keine

 

Die Ausgangsuniform der Offiziere ist stets massgefertigt, musste von diesen selbst beschafft und teil- weise selbst bezahlt werden. Der Bund beteiligte sich mit einem Fixbetrag an den Kosten der Fertigung.

Im Gegensatz zu den Dienstuniformen, die aus Filz und Segeltuch bestehen, sind Ausgangsuniformen stets aus Kammgarn (Gabardine) genäht.

Der Waffenrock durfte mit einem stoffunterlegten Ledergurt mit Messingschnalle oder mit einem Stoffgurt mit Messingschnalle und eidgenössischem Kreuz geschlossen werden. Die Offiziere, die noch die Ausgangsuniformen der Ordonnanz 1940 getragen haben, verwendeten zum Schliessen des Waffenrocks neben dem stoffunterlegten Ledergurt auch häufig den Stoffgurt der Ordonnanz 1940 mit einer vergoldeten, doppelten Messingschnalle und zwei eidgenössischen Kreuzen ("Spiegeleier").

Feldprediger, Veterinäroffiziere und spezielle Mediziner trugen sowohl den Gurt der Ordonnanz 1940 als auch den der Ordonnanz 1949 mit einer versilberten Messingschnalle (siehe nachfolgendes Bild).

Zur Ausgangsuniform der Ordonnanz 1949 werden stets der Dolch M 43 mit der Offiziersquaste (siehe oben) und schwarze, unauffällige Halbschuhe aus Leder getragen.

Der Quartiermeister ist der fachtechnische Vorgesetzte des Fouriers. Er ist auf Stufe Bataillon für die Kontrolle und Aufsicht des Rechnungswesens zuständig. Unter diesen Bereich fallen alle Tätigkeiten, die mit Vergütung, Verpflegung, Sold und Rechnungsrevision zu tun haben.

Das Gradabzeichen des Oberleutnants bilden zwei dunkelgoldfarbene, geflochtene Tressen von 3 mm Breite, die an der Feldmütze bzw. am Offiziershut und auf den Achselschlaufen getragen werden. Die Einteilungsnummern auf den Achselschlaufen sind aus Metall gefertigt und von goldgelber Farbe.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Offiziere

 

Truppengattung: Territorialdienst

Funktion: Hilfspolizei

Dienstgrad: Hauptmann

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: keine

 

Die Angehörigen der Hilfspolizei des Territorialdienstes werden vor allem für unterstützende Aufgaben im militärischen und zivilen Polizeibereich herangezogen: Unterstützung der Heerespolizei (z. B. bei militärpolizeilichen Ermittlungen und Festnahmen), Unterstützung der Strassenpolizei der Motortrans-porttruppen (z. B. zur Verkehrsregelung) und Mithilfe bei den Aufgaben der zivilen Polizeibehörden.

Hauptleute der Hilfspolizei sind i. d. R. Kommandanten von speziell zusammengestellten Hilfspolizei-Detachementen.

Das Gradabzeichen des Hauptmanns bilden drei dunkelgoldfarbene, geflochtene Tressen von 3 mm Breite, die an der Feldmütze bzw. am Offiziershut und auf den Achselschlaufen getragen werden.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Offiziere

 

Truppengattung: Infanterie

Funktion: Füsilier

Dienstgrad: Major

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: keine

 

Der abgebildete Waffenrock ist ein typisches Beispiel aus der Übergangszeit der Ordonnanzen 1940 und 1949. Sie verfügt bereits über die neuen Kragenpatten, hat aber gleichzeitig noch die alten Metallknöpfe der alten Ordonnanz 1940.

Die Besonderheit an diesem Waffenrock ist, dass er über keine Brusttaschen verfügt. Ausgangs-Waffen-röcke dieser Art waren mit Einführung der Ordonnanz 1949 ausdrücklich nicht mehr erlaubt. Schon in den vorhergegangenen Bekleidungsordnungen von 1940 und 1926 waren solche Waffenröcke nicht mehr üblich.

Der abgebildete Waffenrock ist eine Umarbeitung aus einem solchen der Ordonnanz 1940 und durfte in den Anfangsjahren der Ordonnanz 1949 ausnahmsweise als Dienstuniform getragen werden. Er war aber schon damals sicher ein aussergewöhnliches Stück.

Das Gradabzeichen des Majors bildet eine dunkelgoldfarbene, gewobene Flachtresse von 5 mm Breite, die an der Feldmütze bzw. am Offiziershut und auf den Achselschlaufen getragen wird.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Offiziere

 

Truppengattung: Motortransporttruppen

Funktion: Motorfahrer

Dienstgrad: Oberstleutnant

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: keine

 

Die zweifarbigen Achselschlaufen an dieser Uniform zeigen, dass der Offizier von den Motortransport-truppen (weinrot) zum Territorialdienst (orange) umgeteilt wurde. Im Fall einer Mobilmachung ist er als Offizier der Motorfahrzeugstellungsstäbe für das ordnungsgemässe Aufgebot jener Motorfahrzeuge ver- antwortlich, die einen entsprechenden Aufgebotszettel im Fahrzeugausweis haben.

Das Gradabzeichen des Oberstleutnants bilden zwei dunkelgoldfarbene, gewobene Flachtressen von 5 mm Breite, die an der Feldmütze bzw. am Offiziershut und auf den Achselschlaufen getragen werden.


Ausgangsuniform (Tenue A) der Offiziere

 

Truppengattung: Leichte Truppen

Funktion: Radfahrer

Dienstgrad: Oberst

Spezialisierung: keine

Auszeichnung: keine

 

Radfahrer vom Dienstgrad eines Oberst sind i. d. R. Kommandanten eines Radfahrer-Regiments mit einem Ernstfallbestand von ca. 2500 Mann.

Das Gradabzeichen des Oberst bilden drei dunkelgoldfarbene, gewobene Flachtressen von 5 mm Breite, die an der Feldmütze bzw. am Offiziershut und auf den Achselschlaufen getragen werden.